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Für Interessierte hier einige kurze Daten und Fakten zur Situation in der Sexarbeit in Berlin.

Fakten und Hintergründe
(Stand 2016)

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Informationsveranstaltungen

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Hydra-Statement zur Corona-Krise

18. Mai 2020

 

Die Coronakrise verlangt, dass wir uns existenzielle Fragen stellen. Es sind keine neuen Fragen, und es ist gut, dass wir uns wieder mit ihnen beschäftigen.
Wie wichtig sind uns Menschenleben? Ist uns jedes Menschenleben wichtig?
Wie wichtig ist es uns, Alte, Kranke und Gefährdete nicht allein zu lassen?
Wie wichtig sind uns Körperkontakt und Nähe?
Was genau bedeutet Menschenwürde?
Was passiert mit dieser Würde, wenn wir Dinge unterschiedlich einschätzen, uns streiten?
Welche Grundsätze vertreten wir?

Es gibt auch neue Fragen.
Mit welchen Menschen teile ich Räume?
Wie wichtig ist mir dabei Hygiene und Abstand?
Was ist, wenn meine Liebsten, meine Kolleg*innen das anders sehen?
Wie gehe ich in Krisenzeiten mit meinen Mustern um, mit Angst vor Krankheit und Tod?

Diese Fragen betreffen alle Menschen, auch uns bei Hydra und die, die sich bei uns melden.

Und es gibt es viel Neues für uns.
Wir bieten unsere Angebote vermehrt online und am Telefon an.
Wir sind im Home-Office.
Wir hatten schon viele Wochen kein Teammeeting oder Vereinstreffen ohne Videotelefonie.
Wir haben unseren Hilfsfonds für Corona-Hilfen eingerichtet und freuen uns, wie viele Menschen sofort gespendet haben, um Sexarbeiter*innen ohne Zugang zum offiziellen Hilfesystem zu unterstützen. Für diese wunderbare Unterstützung und Solidarität wollen wir uns aus tiefsten Herzen bedanken.
Wir freuen uns, wie viele Sexarbeiter*innen ohne Zugang zum offiziellen Hilfesystem unseren Fonds in Anspruch nehmen.
Sexarbeiter*innen ohne Zugang zum offiziellen Hilfesystem, das sind vor allem Migrant*innen ohne Steuernummer oder Anmeldung, oder Menschen, die seit vielen Jahren durch alle Raster der sozialen Absicherung gefallen sind.
Worüber wir uns nicht freuen: dass wir die Aufgaben des Staates und des Landes Berlin übernehmen, weil sie sich nicht zuständig sehen.

 

Auch die Sexarbeitenden, die Hilfeleistungen in Anspruch nehmen können, sind oft ratlos in diesen seltsamen Zeiten. Während sexuelle Dienstleistungen bis auf Weiteres klipp und klar verboten sind, mangelt es den aktuellen Hilfsmaßnahmen, an Transparenz und daran, Sexarbeiter*innen als Gruppe von Solo-Selbständigen adäquat mitzudenken.
Zugänge zu den offiziellen Hilfen finden ist sehr schwer. Es gibt sehr viel Lesematerial dazu, aber keine richtige Auslegung, welche die Situation etwas verständlicher und nachvollziehbarer machen würde.

Wenn zum Beispiel an mancher Stelle nur Betriebskosten gedeckt werden, bietet das nur bedingt oder keine Hilfe für die Lebens- und Arbeitsrealitäten von vielen Sexarbeitenden. Zudem warten manche Kolleg*innen bereits seit zwei Monaten auf die Auszahlung der beantragten Mittel.

Neben der mangelnden Transparenz, wegen der auch niemand genau weiß, was wann wo und wie zurückgezahlt werden muss, wissen manche Ämter anscheinend auch nicht, wer welche Ansprüche hat und stellen darf, bzw. fühlen sich nicht zuständig für die Belange von manchen Sexarbeiter*innen.
Die als so unkompliziert beworbene Grundsicherung, steht für viele Sexarbeiter*innen auch in dieser Krise nicht zur Verfügung – wenn beispielsweise nicht lückenlos nachgewiesen werden kann, wo eine Person in den letzten fünf Jahren gelebt hat.

In den jetzigen Corona-Hilfen wird unsere Zielgruppe nicht genannt.
Daher wird der Eindruck des fehlenden Zugangs und des fehlenden Interesses von Seiten der Behörden, Krankenkassen, etc. Sexarbeiter*innen zu helfen verstärkt.

 

Für eine Perspektiventwicklung ist es wichtig, von der Berliner Regierung eine Aussage zu erhalten, wann, für wen und unter welchen Bedingungen Sexarbeit wieder möglich sein kann. Da viele Sexarbeitende keinen Zugang zu Leistungen haben, brauchen sie genauere Aussagen, um Entscheidungen für die Zukunft treffen zu können. In Berlin bleiben, obwohl Geld verdienen fast unmöglich ist? In das Herkunftsland fahren, wo oft ganz andere Schwierigkeiten warten?

Wir hören von zunehmender Gewalt gegen Sexarbeitende, wir hören von zunehmendem Rassismus.

Wir hören auch mit Entsetzen davon, wie Sexarbeitende kontrolliert und mit Bußgeldern belangt werden, wenn sie in diesen Zeiten ihrer Arbeit nachgehen.
Mit diesem Vorgehen bekleckert sich die Berliner Landespolitik nicht mit Ruhm.
Kein*e Sexarbeiter*in sollte verfolgt und bestraft werden dafür, Essen und Miete bezahlen zu wollen.
Statt Strafe braucht es leicht zugängliche Angebote, die es auch für diejenigen gibt, die keinen offiziellen Status in Berlin haben.

 

Jede Krise birgt Chancen?
Wir fordern
niedrigschwellige finanzielle Grundsicherung aller Sexarbeitenden in Berlin, die keine Zugänge zu klassischen Hilfeleistungen haben; wir fordern klare und verständliche Aussagen darüber, wann und wie es weitergehen kann; wir fordern, alle Bußgelder auszusetzen; wir fordern Programme gegen zunehmende Gewalt und zunehmenden Rassismus; wir fordern, mit den Anliegen unserer Branche gehört zu werden.

 

Und so lange das noch nicht passiert ist, freuen wir uns weiter über Spenden für unseren Hilfsfonds!
Denn wir haben nicht nur Fragen. Es gibt ja auch Antworten.

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