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Solidarität mit Gina-Lisa Lohfink

13. Juni 2016

Kategorie: Stellungnahmen, Politik, Nachrichten

 

Als Verein Hydra e.V. und Beratungsstelle für Prostituierte in Berlin sprechen wir hiermit unsere Solidarität mit Gina-Lisa Lohfink aus.

Wir verurteilen die Sprache, mit der in vielen Medienberichten über den Zusammenbruch von Lohfink bei den Gerichtsverhandlungen am 1. Juni 2016 berichtet wird.
Weiter kritisieren wir die Projektion des Hurenstigmas auf Lohfink. Eine Berichterstattung, die argumentiert, dass Lohfink bereits "häufiger ähnliche Filme gedreht [...] und im Internet vermarktet" habe und damit die Verbreitung der Dokumentation ihrer Vergewaltigung ja "nichts ungewöhnliches" sei, betrachten wir auf mehreren Ebenen als höchst problematisch.

Erstens verharmlost diese Beschreibung die Dokumentation der Vergewaltigung als "Pornofilm", wobei in Pornofilmen konsensual mit sexuellen Handlungen entweder Geld verdient oder sich künstlerisch ausgedrückt wird. In diesem Fall fehlte der Konsens auf allen Ebenen: Weder handelte es sich um Sex, sondern ganz offensichtlich um eine Vergewaltigung, was klar getrennt werden muss. Noch verdiente Lohfink mit der Aufnahme Geld oder wollte sich damit künstlerisch ausdrücken.

Zweitens erweckt die Aussage den Eindruck, dass Personen, die sich bereits beim Sex filmen ließen und diese Aufnahmen veröffentlichten, das Recht verwirkt hätten sexualisierte Gewalt, sowie deren Filmaufnahme & -veröffentlichung, abzulehnen.

Die bekannte Haltung feministischer PornogegnerInnen "Pornographie sei die Theorie, Vergewaltigung die Praxis" schimmert in dieser Art von medialer Sprache klar durch und entwickelt sich weiter zu einem Victim Blaming gegen Lohfink. Schließlich hätte sie dann durch den Dreh von ein paar wenigen Amateurpornos Mitschuld an einer Kultur, in der Vergewaltigung viel zu häufig stattfindet.

Die Parallelen zum Umgang mit Sexarbeiter_innen bei Vergewaltigungsfällen sind hier unübersehbar: Pornodarstellerinnen und Prostituierte können sowieso nicht vergewaltigt werden, da sie sich schließlich für Geld ficken ließen und es sich daher nur um "minderschwere Fälle" von Vergewaltigungen handele.

Allein die Tatsache, dass Lohfink Amateurpornos gedreht hat, bringt sie nun in die unschöne Situation, dass sie neben dem Slut-Shaming, welches vergewaltigten Frauen entgegengebracht wird, auch die Stigmatisierung als Hure durchstehen muss.

Wir stehen dafür ein, dass jegliche Stigmatisierung von Betroffenen von Vergewaltigung ebenso ein Ende findet wie die Stigmatisierung von Sexarbeiter_innen. Jeglicher sexueller Akt, der nicht konsensuell erfolgt und von den Betroffenen so empfunden wird, ist eine Vergewaltigung. Ob das Opfer Sexarbeiterin ist, Promi mit Pornodreherfahrung, Migrantin, einen kurzen Rock trägt, Nonne ist oder welchen Schubladen auch immer zugeordnet werden kann.
Daher hoffen wird, dass der Paradigmenwechsel, dass Nein auch wirklich Nein heißt und für die Verurteilungen von Vergewaltigungen ausreicht, mit der Sexualstrafrechtsreform endlich vollzogen wird.

Wir werden uns bei der Solikundgebung am 27. Juni vor dem Amtsgericht in Berlin beteiligen, machen jedoch darauf aufmerksam, dass wir die hurenfeindlichen Positionen der OrganisatorInnen der "Initiative für Gerechtigkeit bei sexueller Gewalt" ebenso wie etwaiger weiterer SolidaritätsbekunderInnen ablehnen.
Wir finden es wichtig, dass auch Sexarbeiter_innen zu der Soliaktion kommen und hoffen, dass dies ein Raum ist, in dem die unterschiedlichen Positionen zu Sexarbeit seitens der Beteiligten nicht ausgetragen werden.

 

Montag, 27 Juni, 9 bis 14 Uhr

Amtsgericht Tiergarten

Turmstraße 91, 10559 Berlin

 

Hier findet ihr die Rede (pdf), die eine Vertreterin von Hydra bei der Solidaritätskundgebung am 27. Juni vor dem Amtsgericht Berlin gehalten hat.


#TeamGinaLisa

Artikel in der Welt, dem die Zitate entnommen sind:
http://www.welt.de/vermischtes/article155887115/Gina-Lisa-Lohfink-vor-Gericht-als-Hure-beschimpft.html

Feministische Beiträge zum Weiterlesen:
http://maedchenmannschaft.net/gina-lisa-lohfink-wenn-ein-hoer-auf-nichts-mehr-wert-ist/
https://broadly.vice.com/de/article/der-umgang-mit-dem-fall-gina-lisa-ist-ein-armutszeugnis-fuer-unsere-gesellschaft
https://editionf.com/Sexualstrafrecht-Reform-FallGina-Lisa

 

 

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