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Update: Hydra-Statement zur Corona-Krise

7. Juli 2020

 

Die Coronapandemie reflektiert die Notwendigkeit von oftmals bereits seit Jahrzehnten gestellten Forderungen marginalisierter Gruppen in neuen, messbaren Daten in Bezug auf die allgemeine Gesundheit und Sicherheit. Insbesondere das Zusammenkommen unterschiedlicher Diskriminierungskategorien wie Gender, Herkunft, sexuelle Orientierung, Behinderungen und Alter, sorgt dafür, dass eine Vielzahl an strukturellen und politischen Missständen hier besonders stark erkennbar wird. In der Sexarbeit werden diese Intersektionen oft besonders deutlich.
 
Allerdings ist jetzt nicht nur die Zeit des Nachdenkens und des von den richtigen Menschen Lernens, sondern es ist auch unabdingbar notwendig, praxisbezogenes und effektives Handeln zu gewährleisten. Sexuelle Dienstleister*innen aller Art dürfen seit Monaten nicht arbeiten und wissen nicht, wann sich das wieder ändern wird. Wir brauchen klare Aussagen und eine Perspektive von Seiten der Regierung, wann Sexarbeitende sich wieder eigenständig versorgen dürfen.

Um langfristige Lösungen finden zu können, müssen wir wissen welche Zeitspanne „langfristig“ umfasst. Für kurzfristige Lösungen reicht es nicht aus, professionellen Fachkräften Lebensmittelgutscheine an die Hand zu geben, während Zugänge zu ALG II, Grundsicherung, Mietzuschüssen, de facto zugänglichen Wohnraum und weiteren essenziellen Dingen, die notwendig zum Überleben sind, nicht ermöglicht werden. Zumindest eine tatsächlich leicht zugängliche und kostenfreie Rechtsberatung für Menschen, denen der Zugriff auf Grundsicherung verwehrt oder durch bürokratische Hürden erschwert wird, muss einen Ausgleich zwischen den Nöten der Menschen und der tatsächlichen Erreichbarkeit von Hilfen schaffen.
 
Hinzu kommt, dass die Illegalisierung der Sexarbeit kein effektives Mittel ist, um tatsächliche Sexarbeit zu minimieren oder sicherer zu gestalten. Sexarbeit findet statt, egal ob illegalisiert oder nicht und insbesondere in Zeiten von (finanziellen) Krisen. Die Frage, die sich wirklich stellt, ist, wie kann sie am sichersten für alle Menschen stattfinden? Könnten kostenlose Coronatests für sexuelle Dienstleister*innen aller Art mit direktem Kund*innenkontakt legitime Gesundheitsbedenken nicht zumindest reduzieren, während zeitgleich tausende von Menschen in den sexuellen und erotischen Branchen sich und ihre Familien wieder eigenständig versorgen können? Wie legitimiert die Regierung, dass Tattoostudios und Massagesalons wieder öffnen dürfen, Orte der Sexarbeit, in denen seit jeher mit Handschuhen und anderen sterilen Maßnahmen gearbeitet wird, aber nicht? Wie kann auf der einen Seite der Innenminister sagen, es wäre nicht notwendig racial profiling zu untersuchen, da es bereits illegal sei, aber Sexarbeit, trotz aller rechtlichen Bestimmungen bezüglich des safer sex und Infektionsschutz, pauschal verboten wird? Wäre es nicht wichtiger denn je, den vereinfachten Zugang zur Grundsicherung tatsächlich zeitnah in alltägliche Praxis umzusetzen, um Menschen eine tatsächliche Alternative zwischen illegaler Sexarbeit und Wohnungsverlust zu geben?  
 
Bordelle, welche nun als immenses Gesundheitsrisiko dargestellt werden, sollen für die allgemeine Sicherheit nicht öffnen, während die gängigen Gesetze seit Jahren kleine(re) Bordelle oder Wohnungen, die zu gewerblichen Zwecken von wenigen sexuellen Dienstleister*innen genutzt werden, strukturell benachteiligen. Arbeitsverbote werden erlassen, ohne dass die notwendige Kompetenz oder das Wissen auf Seiten der Entscheidungsträger*innen vorhanden ist, ob diese rechtens oder notwendig sind.
 
Zu oft wollen zu viele Teile der Gesellschaft so tun, als könnte man(n) die Lebensrealitäten von sexuellen Dienstleister*innen durch einfache Erlasse konsequent regulieren und steuern. Aber wir sexuelle Dienstleister*innen sind reale Menschen mit realen und komplexen Leben und tiefgehenden Vernetzungen in unseren sozialen Umfeldern und Gemeinschaften. Uns kann man nicht einfach so weg-regulieren! Wenn wir und unsere Einnahmen wegfallen, dann sind viele Menschen noch abhängiger von Hilfen, zu denen sie, trotz Corona, nicht zur Genüge Zugänge zur Verfügung gestellt bekommen.
 
Wir schaffen keine Not, wir stemmen sie!
 
Wir sexuelle Dienstleister*innen, Dominas, erotische Masseur*innen und Huren schützen uns, unsere Gemeinschaften und unsere Kund*innen jeden Tag, bereits vor Corona. Hört uns zu und arbeitet mit uns zusammen, um die Fehler der Vergangenheit, die durch die Coronakrise verstärkt aufgedeckt worden sind, zu ändern, und die (gesundheitliche) Sicherheit für alle Menschen in unserer Gesellschaft zu sichern. Wir sind bereits Expert*innen darin, insoweit wir sexuelle Dienstleister*innen das Privileg haben Sicherheit und Gesundheit priorisieren zu können.
 
Wir fordern das Recht ein, sicher arbeiten zu können. Wir fordern tatsächlich zugängliche und schnelle Hilfen zur Grundsicherung für sexuelle Dienstleister*innen und adäquate, zeitnahe und kostenlose Rechtsberatung in dem Fall, dass sie die Unterstützung verwehrt bekommen oder diese verzögert wird. Wir fordern kostenlose Coronatests für sexuelle Dienstleister*innen mit direktem Kund*innenkontakt. Wir fordern den Respekt, der jeder anderen Branche auch zusteht!
 
Bis die Politik diese strukturellen Missstände effektiv angeht, kommt es der gesamten Gesellschaft zu, dass sexuelle Dienstleister*innen, die in Prekarität und Bedürftigkeit gezwungen werden, Unterstützung durch den Hydra Hilfsfonds bekommen, um akuten Hunger, Obdachlosigkeit und ganze Existenzen aufzufangen.
 
Bitte spendet!
 
Hydra e.V.
IBAN:     DE31 1002 0500 0003 0712 01
BIC:       BFSWDE33BER
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Verwendungszweck: Hilfefonds Hydra
 
Jede Spende ist steuerlich absetzbar.

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