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Statement Kundgebung in München / Protest in Munich

Sexarbeit ist Arbeit - SexWork is Work

Rights Not Rescue!

*** english below ***

Am 12.5. findet im Bayerischen Landtag die Anhörung „Zur Situation der Prostituierten in Bayern“ statt. Neben Sachverständigen aus Sexarbeit, Beratung und Forschung sind auch viele erklärte Befürworter*innen der Kriminalisierung der Nachfrage von Sexarbeit in Deutschland eingeladen worden. Diese Sexarbeitsgegner*innen werden trotz ihrer extremen Meinung und ihrer Verachtung für Sexarbeitende als gleichberechtigte „Sachverständige“ angehört. Diese Normalisierung von Verachtung in der gesellschaftlichen Debatte über Sexarbeit besorgt uns sehr.

Wir wissen:
In Deutschland hat die akzeptierende Beratungsarbeit im Kontext Sexarbeit mehr als 40 Jahre Tradition, bereits noch länger treten Sexarbeiter*innen selbst für ihre Rechte ein, so zum Beispiel am 02.06.1975. In Lyon besetzten an diesem Tag mehr als 100 Sexarbeitende die Kirche Saint-Nizier. In Erinnerung an dieses Ereignis wird weltweit am 2. Juni der Hurentag gefeiert. Ebenfalls seit Jahrzehnten setzen sich Wissenschaftler*innen und Forschende fundiert mit der Situation Sexarbeitender auseinander. Sie kommen in großer Mehrheit zum Ergebnis, dass die Rechte von Sexarbeiter*innen gestärkt werden sollten um ihre Lage zu verbessern, während Verbote ihre Situation verschlechtern. Das ist belegt.

Doch trotz wissenschaftlicher Empirie, soliden Erfahrungswerten aus der Beratungsarbeit und den Stimmen aus der Sexarbeit sieht das politische Handeln in Bezug auf Prostitution leider oft anders aus. Nicht erst seit der Einführung des Prostituiertenschutzgesetzes 2017 mehren sich wieder Rufe nach mehr Kriminalisierung, Kontrollen und Verbote.

Verantwortlich dafür ist Sexarbeitsfeindlichkeit.

Menschen, die keine Berührungspunkte mit Sexarbeiter*innen haben oder Sexarbeit aus moralischen Gründen verurteilen, sind besonders anfällig für Sexarbeitsfeindlichkeit. Sexarbeitsfeindlichkeit bewirkt, dass das Sprechen über Sexarbeiter*innen in der Gesellschaft von Abwertung und Entmenschlichung geprägt ist. Sexarbeitsfeindlichkeit ist weit verbreitet und macht nicht Halt vor Medienschaffenden und Politiker*innen.

Deswegen setzen wir am 12.5.2022, dem Tag der Anhörung im Bayerischen Landtag, ein Zeichen für Solidarität mit Sexarbeiter*innen und fordern:

  • Abschaffung aller Sondergesetze in Bezug auf Sexarbeit
  • Gesellschaftliche Entstigmatisierung und Entkriminalisierung von Sexarbeitenden
  • Sexarbeiter*innen müssen einbezogen werden, wenn über sie entschieden wird

*** german above ***

On May 12, the hearing "On the situation of prostitutes in Bavaria" will take place in the Bavarian Parliament. In addition to experts from sex work, counseling and research, many declared supporters of the criminalization of the demand for sex work in Germany have been invited. These sex work opponents are heard as equal "experts" despite their extreme opinions and their contempt for sex workers. We are very concerned about this normalization of contempt in the social debate about sex work.

We know:
In Germany, accepting counseling work in the context of sex work has more than 40 years of tradition, already even longer sex workers* themselves stand up for their rights, for example on 02.06.1975, in Lyon more than 100 sex workers occupied the church Saint-Nizier on this day. In memory of this event, Whore Day is celebrated worldwide on June 2. For decades, scientists and researchers have also been dealing with the situation of sex workers in a well-founded way. The vast majority of them come to the conclusion that the rights of sex workers should be strengthened in order to improve their situation, while prohibitions worsen their situation. This has been proven.

But despite scientific empiricism, solid empirical data from counseling work and the voices from sex work, political action regarding prostitution unfortunately often looks different. Not only since the introduction of the Prostitution Protection Act in 2017, calls for more criminalization, controls and bans are increasing again.

Sex work hostility is responsible for this.

People who have no contact with sex workers or who condemn sex work on moral grounds are particularly prone to sex work hostility. Sex work hostility causes society's talk about sex workers to be characterized by devaluation and dehumanization. Sex work hostility is widespread and does not stop at media professionals and politicians.

Therefore, on 12.5.2022, the day of the hearing in the Bavarian Parliament, we show our solidarity with sex workers* and demand:

  • Ending all "special" laws regarding sex work.
  • Social destigmatization and decriminalization of sex workers
  • Sex workers must be included when decisions are made about them
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