Kontaktangaben

Kontakt

Köpenicker Straße 187/188
D-10997 Berlin (Kreuzberg)

Fon: 030 - 611 00 23
Fax: 030 - 611 00 21
E-Mail: kontakt@hydra-berlin.de

Öffnungszeiten:
Mo und Di: 10 bis 15 Uhr
Do: 16 bis 20 Uhr
weitere Termine nach Vereinbarung

Mitglied werden!

Wenn Du Interesse an einer Vereinsmitgliedschaft hast, findest Du hier weitere Infos.

Rechtshilfe- und Sozialfonds

HYDRA unterhält einen Rechtshilfe- und Sozialfonds, der sich aus Spenden und Bußgeldern zusammensetzt.

 

An den Rechtshilfefonds kann jede Frau einen Antrag stellen, die vor oder in einem Prozess steht, der sich mit Prostitution befasst. Aus dem Sozialfonds können Sexarbeiter_innen Unterstützung in finanziellen Notsituationen beantragen. Weitere Infos hier.

Texte und Manifeste ...

...der internationalen Sexarbeiter- Bewegung gibt es hier zu finden.

Hydra e.V. ist Mitglied bei:

  • NSWP (Global Network of Sex Work Projects)
  • ICRSE (International Committee on the Rights of Sex Workers in Europe)
  • bufaS (Bündnis der Fachberatungsstellen für Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter e.V.)
  • DPWV (Paritätischer Wohlfahrtsverband)
  • KOK (Bundesweiter Koordinierungskreis gegen Menschenhandel e.V.)

Hydra e.V. - Geschichte einer Hurenorganisation

Huren streiken (Frauentag 1994)

Der grüne Schlangen-Highheel ist als Symbol von HYDRA e.V. weit über Berlin hinaus bekannt. Der Verein HYDRA e. V. wurde 1980 als erste autonome Hurenorganisation Deutschlands in Berlin von sozial engagierten Frauen aus unterschiedlichen Berufssparten, u.a. der Prostitution, gegründet. Der Kampf gegen das Hurenstigma – die gesellschaftliche Doppelmoral im Umgang mit Prostituierten – und gegen die Rechtlosigkeit von Prostituierten als Erwerbstätigen war überfällig. Die HYDRA-Gründerinnen sahen sich mit diesen Anliegen einerseits im Kontext der damaligen Frauenbewegung (und wollten deren blinde Flecken korrigieren), und knüpften andererseits an die französische Hurenbewegung an, die 1975 mit einem Prostituiertenstreik in Lyon auf sich aufmerksam gemacht hatte. An diesen Streik erinnert alljährlich der „Internationale Hurentag“ am 2. Juni.

 

Der Name Hydra geht auf die neunköpfige Schlange der griechischen Mythologie zurück, der immer zwei Köpfe nachwuchsen, wenn man ihr einen abschlug. Als ähnlich unschlagbar und vielköpfig sollten sich die Hurenbewegung und der Verein HYDRA erweisen. Dass HYDRA sich nunmehr seit über dreißig Jahren für die sozialen und politischen Rechte von Prostituierten (inzwischen benutzen wir den damals noch unüblichen Begriff „Sexarbeiter_innen“) einsetzt und sich trotz vielfacher Widerstände behaupten konnte, ist eine Bestätigung dieser Namensgebung.

 

Seit 1985 erhält HYDRA e.V. eine kontinuierliche Finanzierung aus öffentlichen Geldern, durch die die Einrichtung einer Beratungsstelle mit eigenen Räumen ermöglicht wurde. Die Räume, die als Treffpunkt und Beratungsstelle dienen, waren im Laufe der Jahre in ganz verschiedenen Berliner Bezirken angesiedelt – in Charlottenburg, Schöneberg, Friedrichshain – und befinden sich seit 1997 in der Köpenicker Straße in Kreuzberg. Die gegenwärtig sechs Mitarbeiterinnen von HYDRA bieten aber nicht nur Beratung vor Ort zu verschiedenen Themen rund um die Sexarbeit, sondern sind auch regelmäßig in Berliner Bordellen und auf der Straße unterwegs.

 

In den achtziger und neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurden in Deutschland weitere autonome Prostituiertenprojekte nach dem Vorbild von HYDRA ins Leben gerufen, von denen viele bis heute existieren (Auswahl): HWG (Huren wehren sich gemeinsam) in Frankfurt (1984-1999), Kassandra e. V. in Nürnberg (seit 1987), Nitribitt e.V. in Bremen (seit 1987), Phoenix e.V. in Hannover (seit 1989), Madonna e.V. in Bochum (seit 1991). Die noch bestehenden Projekte, die wie HYDRA öffentlich geförderte Beratungsstellen unterhalten, sind heute zusammen mit anderen Fachberatungsstellen für Sexarbeiter und Sexarbeiterinnen im Dachverband Bufas e.V. zusammengeschlossen.

Stationen der Hydra-Geschichte

Der Nachtexpress

Von 1980 bis 1995 gab HYDRA e.V. den NachtexpressZeitung für Bar, Bordell und Bordstein heraus, in dem Prostituierte über ihre Arbeit und deren gesellschaftliche Wahrnehmung schrieben, Tipps fürs erfolgreiche Anschaffen im Ausland gaben, sich dem damals virulenten Thema AIDS widmeten, über Zuhälter und Freier schrieben, über die Vor- und Nachteile des Einsteigens und Aussteigens nachdachten und vieles mehr. Einige der Ausgaben des Nachtexpress sind noch bei HYDRA erhältlich.

 

Die Hurenkongresse

Im Oktober 1985 organisierte HYDRA den ersten Nationalen Prostituierten-Kongress in Berlin. Bis 1998 fanden in verschiedenen deutschen Städten 25 solcher Hurenkongresse statt, die sich jeweils aktuellen Themen widmeten und der Vernetzung der Hurenbewegung und der Beratungsstellen dienten, sowie oftmals mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen oder Demonstrationen verbunden waren. Seit 1999 finden diese Kongresse unter dem Namen „Fachtagung“ zweimal jährlich statt, und richten sich vornehmlich an ein Fachpublikum, was die stärkere Institutionalisierung der Hurenbewegung und die Professionalisierung der Beratungsstellen reflektiert. Inzwischen ist die Zeit jedoch reif, um wieder eine stärkere Öffnung und und öffentliche Wirksamkeit anzustreben, denn der Kampf für die Rechte und die Gleichstellung von Sexarbeiter_innen ist noch lange nicht zu Ende!

 

Bücher

HYDRA veröffentlichte zwei Bücher: 1988 das Buch Beruf: Hure, in dem u.a. die Gründungsgeschichte von HYDRA erzählt wird, und 1991 das Buch Freierdas heimliche Treiben der Männer, eine von Hydra durchgeführte auf Interviews basierende kleine Studie über die Kunden von Prostituierten. Beide Bücher sind heute nur noch antiquarisch erhältlich und zeichnen ein aufschlussreiches Bild der damaligen Debatte um die Prostitution.

 

Die Abschaffung der Sittenwidrigkeit

Der wohl größte Erfolg von HYDRA und der deutschen Hurenbewegung war die Abschaffung der Sittenwidrigkeit der Prostitution in Deutschland mit dem „Prostitutionsgesetz“ im Jahr 2002, der vorerst wichtigste Erfolg einer langjährigen politischen Arbeit. Seither können sich Prostituierte offiziell sozialversichern und haben ein Recht auf ihr Honorar. Das Gesetz war freilich ein Kompromiss zwischen den damals regierenden Parteien und enthält bei weitem nicht alle Forderungen der Sexarbeiter_innen, die damals formuliert und in einen eigenen Gesetzentwurf gegossen wurden, wie etwa die nach der Abschaffung der Sperrgebiete und der strafrechtlichen Sonderparagraphen für die Prostitution. Diese Forderungen sind nach wie vor aktuell und wir setzen uns weiterhin dafür ein, dass Sexarbeit mit anderen Berufen rechtlich gleichgestellt wird und diskriminierende Sonderbestimmungen abgeschafft werden.

Auch die soziale Lage von Prostituierten hat sich durch dieses Gesetz nur teilweise verbessert, und Prostitution ist nach wie vor ein gesellschaftlich stigmatisierter Beruf, was viele Sexarbeiter_innen in ein Doppelleben zwingt.

 

Und weiter?

Insbesondere in den letzten Jahren gibt es verstärkte politische Bestrebungen, die auf einen repressiveren Umgang mit der Prostitution zielen. Dabei werden Regelungen oftmals ohne Beteiligung der Betroffenen beschlossen. Deshalb ist es wichtig, dass die Stimmen von Sexarbeiter_innen und von denjenigen, die wie die HYDRA-Mitarbeiterinnen täglich mit Prostituierten zu tun haben, in der politischen Debatte weiterhin deutlich hörbar sind.

Die Geschichte in Bildern

1989/90 warb ein riesiges Plakat von Hydra mehrere Monate lang am Alten Ku'damm-Eck für Safer Sex.
Anlässlich des Katholischen Kirchentags protestiert Hydra 1990 auf dem Messegelände gegen Scheinheiligkeit und Doppelmoral.
Aktion "Bockschein für Freier": Hydra baut vor der Senatsverwaltung für Frauen an der Urania ein "Gesundheitshaus für Männer" auf (1990).
Eine Demonstration in den 90er Jahren für bessere Arbeitsbedingungen, die u.a. durch das Verbot der "Förderung der Prostitution" verhindert wurden.
Eine Demonstration in Kostümen von Prostituierten aus mehreren Jahrhunderten.
Huren streiken am 8. März 1994 - mit einem riesigen Banner an der Siegessäule.
Hier, in der Köpenicker Straße 187/88, befinden sich 1997 die Hydra-Beratungsräume (die Fensterreihe oben links im Bild).